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Auf und ab durch Marokko

95 fotos fünfzehn minuten lesezeit

1001 Nacht in 4 Flugstunden Entfernung

In diesem Road Trip:

  • 11 Nächte
  • 8 Unterkünfte
  • 1812 Kilometer
  • 26 Stunden im Auto
  • ~30 Km Zugfahrt
  • 52 Gläser Minztee
  • Viel zu viel Zucker
  • ~47 Polizeikontrollen
  • 3 Tage krank

Marrakesch

Gelandet in RAK geht es durch die Sicherheitskontrollen (Dronen werden gnadenlos konfisziert) und durch den sehr modernen Menara Airport zum Empfangskommitee vor dem Haupteingang. Für unseren Road Trip haben wir ausschließlich traditionelle Unterkünfte gebucht, die ihren marrokanischen Flair versprühen.

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Unsere Kriterien für die Unterkünfte waren:

  • In der jeweiligen Altstadt gelegen
  • Nähe zum zentralen Platz
  • Hohe Bewertungen
  • Überzeugende Fotos

Angekommen bei unserem Fahrer vom Riad geht unser unbekanntes Abenteuer los in den chaotischen Verkehr Marrakeschs.

Wir sprechen kaum Französisch, nahezu alle Marrokaner gar kein Englisch. Wer wie wir auf große Probleme stößt ist ziemlich aufgeschmissen. Aber dazu später mehr.

Wir fahren durch Moped-Massen und mit scheinbar beliebigen Vorfahrtsregeln zum Rand des Zentrums von Marrakesch, dem Platz Jemaal El Fna. Da unser Fahrer wegen seinem fehlenden Englisch während der Fahrt nicht spricht, werden wir von dem plötzlichen Stop und Rauswurf überrascht. Unsere Taschen werden kommentarlos in einen Ziehkarren verladen, welcher von einem anderen Marrokaner in die Menschenmasse gezogen wird. "Follow!" ruft der Fahrer, und wir trotten dem Karrenmann hinterher, überwältigt vom Lärm, Gerüchen, Gestank und Gewusel. Wir glauben nicht ganz wie man in so einer Umwelt klar kommt, aber auch dazu später mehr.

Kreuz und quer und auf und ab geht es durch die engen, dreckigen Gassen, bis wir vor einer dunklen, kaum markierten Tür halten. Diese öffnet sich, und wir können hinter der Rezeption einen schönen Innenhof erahnen. Das Riad L'Heure d'Eté hat uns herzlich mit gebrochenem Englisch empfangen, und auf der sonnigen Dachterrasse, typisch marrokanisch, direkt einen lecker-süßen Minztee serviert. Ein guter Start!

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Non, Merci

Rein ins Getümmel. Wir laufen drauf los und lassen uns treiben. Überall Menschen, Händler, überfüllte Stände, enge Gassen, Lärm und Hitze, dazu quetschen sich hupende Mopeds, Schiebekarren, Eselkarren und TukTuks. Wir werden konstant angesprochen mit

"Yes please take a look! Where are you from? Hier bitte gute Preise!".

Wir wimmeln so gut wie jeden dieser Versuche ab mit einem simplen "Non, Merci". Wer hier etwas kaufen will und kein arabisch beherrscht wird gnadenlos über den Tisch gezogen. Kleine Glasgefäße mit Silberblech: 4 Stück für 150 Dirham (~15€). Die kosten einen Einheimischen zusammen keine 30 Dirham. Man kann nur ein Gegenangebot machen, und wenn der Händler nicht darauf eingeht, weggehen. Der nächste hat denselben Kram, und günstiger.

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Speis & Trank

Essen gehen kann man an jeder Ecke und nach jedem Maß von Vertrauen. Straßenhändler bieten an überladenen Ständen zahllose Leckereien an, in einer Seitengasse qualmt ein Holzkohlegrill, von vorne kommt ein Obstkarren angerauscht. Wir entscheiden uns für Dinner im Riad auf der Dachterrasse. Es gibt in allen Restaurants dieselben traditionellen Gerichte in verschiedenen Preisklassen, was aber nichts über die Qualität aussagt. Lecker ist es allemal, und für 2 Personen definitiv zu viel.

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Jardin Secret

Den Tip haben wir im Vorbeigehen von einem einheimischen Obdachlosen bekommen. Von außen sieht man nur ein Schild, wer nicht hinein schaut verpasst eins der Highlights Marrakeschs.

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Jardin de Majorelle

Wir kommen zu spät an und müssen in den ellenlangen Warteschlangen in der Mittagshitze anstehen. Fast bleiben wir in der ersten stehen, sehen aber dann, dass diese nur für Reservierungen ist, die man nur als registrierter Fremdenführer bekommt. Online buchen ist hier noch nicht angekommen. Eine Stunde in der anderen Schlange und wir sind drin.

Wir haben schon einige imposant angelegte Gärten gesehen, in Andalusien, Rom und Kyoto. Der hier schlägt alle. Wahnsinnig schön, groß, abwechslungsreich und interessant. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Menschen nicht, aber dafür sind wir einfach zu spät dran.

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Den Rest des Tages haben wir uns weiter durch Marrakesch treiben lassen.

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Mietwagen in Marokko

Wir haben in Sardinien gute Erfahrungen mit Avis gemacht, also buchen wir damit auch hier. Der Mitarbeiter in der Station im Flughafen Marrakesch spricht aber leider kein Englisch, und zeigt sich auch nicht wirklich kooperativ uns zu erklären, was er uns da alles aushändigt. Auch nach mehrmaligem Nachfragen und "pardon, je ne parle pas francais" antwortet der immer noch stur auf französisch. Am Ende zeige ich nur frustriert auf meine bereits bezahlten Buchungsdetails im Handy mit lautem "THIS. ONLY THIS." "OKE! OKE!" kommt als Antwort, er knallt uns unsere Papiere hin und zeigt auf den Parkplatz. Dort angekommen geht der nächste englischlose Mitarbeiter mit mir ums Auto, und ich Filme jede einzelne Delle ab. Er kann mir eh nicht vermitteln, was er da aufschreibt. Zum Abschied fragt er "First time in morocco?" Wir bejahen, worauf er nur in sich hinein lacht und uns gute Fahrt winkt.

Wir stellen die Navi App Here WeGo ein und fahren los. Die Karte im Mietwagen ist veraltet und spricht französisch.

Fahren in Marokko

Uns war klar, dass wir nicht tief in die Städte fahren werden, um uns einfach den kolossalen Stress zu ersparen. Es gibt so gut wie überall eine Gelegenheit entlang einer größeren Straße den Wagen bewacht abzustellen. Man erkennt die Stationen an den Männern, die in Warnwesten in der glühenden Sonne sitzen und Trinkgelder kassieren.

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Mit einer gesunden Portion rheinischem "Et hätt noch emmer joot jejange" fahre ich auf das erste Stoppschild zu, halte kurz, um nach freier Fahrt zu schauen, und biege ab, direkt in eine Polizeikontrolle. Der Gendarm winkt mich an den Rand, und ich bete nur dass er Englisch versteht. Was er natürlich kaum tut. Nach dem Papiere-Check Frage ich nach dem Problem auf Englisch, er antwortet auf französisch. Frustration macht sich auf beiden Seiten breit. Schließlich zeigt er auf die Kreuzung und sagt nur "Look. Full Stop." "I did stop and look" antworte ich, und er schüttelt nur den Kopf. "Longer" kommt zurück, und er kritzelt eine Zahl auf unsere Carte Griese. 40 Dirham, 4€, das geht ja noch, Glück gehabt. Ich halte ihm das Geld hin und er lacht nur. "Non." Und malt noch eine 0 dahinter. 40€ Strafe nach 5 Minuten Fahrt. Natürlich ohne Ticket, das Geld geht also in seine Tasche. Hier schaut die Gendarmerie ganz genau hin, später lernen wir aber, dass die Einheimischen genauso behandelt werden. Ab jetzt also noch 1807 Km penibel genau fahren.

Heute liegen knapp Drei Stunden Fahrt über den Atlas vor uns.

Erwartung und Realität

Ich habe die Straßen auf 4 Kontinenten gesehen, also wird das hier nichts bieten, was ich nicht schon mal gesehen habe. Ha-ha, naiver deutscher. Nach kurzer Zeit in den Serpentinen fangen die Baustellen an; es werden Spuren verbreitert, Erdrutsche geräumt und Oberflächen erneuert. Teilweise fährt man auf Schotterpisten, durchzogen mit Kratern wie auf einer Mondlandschaft. Und das stundenlang. Bergauf und -ab. Im kleinen Renault Clio. Mit 20 - 40 Km/h. Aber immerhin nicht langweilig!

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Kurz vor unserem ersten Ziel werden die Straßen besser.

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Zeitreise in Aït Benhaddou

Über AirBnB haben wir die Unterkunft in der alten Kasbah gefunden. Es leben noch 3 Familien in den uralten Gemäuern, unser Host ist einer davon. Mit dem Packesel kommt unser Gepäck über das kleine Flussbett, wir laufen über eine provisorische Astbrücke.

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Im Gebäude gibt es Strom nur in der Küche, alle anderen Räume werden mit Kerzen oder spärlichem Tageslicht beleuchtet. Wir sind wieder überwältigt, diesmal von der Ruhe und der Szenerie. Hier muss die Inspiration für Ali Baba und Indiana Jones herkommen, es sieht alles aus wie im Film. Mit dem einen feinen Unterschied, dass hier alles authentisch ist.

Unser Host Mohammed spricht leise und ruhig Englisch und ein wenig deutsch, serviert uns den typischen Tee und Snacks und erzählt ein wenig über sich, seine Familie und die Umgebung.

Nach kurzem relaxen im Zimmer erforschen wir die verwinkelte Kasbah und den stark windigen Hügel dahinter. In der Nacht leuchtet die Milchstraße über den alten Dächern.

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Der lange Ritt nach Osten

Mohammed versichert uns vor der Abfahrt, dass es auf den Straßen nach Merzouga flach und relativ Baustellenfrei bleibt, womit er Recht behalten wird. Wir machen uns früh auf den Weg, schließlich wollen wir so früh es geht am Ziel sein, um genug Zeit für die Wüste zu haben.

Die Landschaften wechseln von imposant zu hügelig, zu flach wie Holland, grün wie Irland, steinig wie Österreich, bewaldet wie der pazifische Nordwesten, rot wie der Mars, schwarz wie Island bis schließlich die ersten Dünen am Horizont auftauchen. Die Dörfer und Städte am Straßenrand sind deutlich dritte Welt: halbfertig verfallen, keine Fenster, Türen oder ganzes Dach, trotzdem bewohnt.

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Unterwegs fahren wir in jedem Ort durch mehrere Polizeikontrollen, einmal stehen die mitten in der Pampa mit der Radarpistole. Wir kommen nicht so flott wie erwartet vorran, denn die erlaubten Geschwindigkeiten schwanken zwischen 60 und 80, manchmal auch 100 km/h. Alle Polizisten winken uns zum Glück einfach durch. Hier zeigt sich die selbstgefällige Oberflächlichkeit der arabischen Welt besonders krass: der schicke, junge Gendarm, mit seiner sauberen Mütze, Koppel und Uniform regelt den klapprigen, third-hand Verkehr vor den bewohnten Ruinen, während er zwischen einem Krater von Schlagloch und einem Haufen von Müll steht.

Die Armut der Menschen hier zeigt sich auf viele Arten. Jeder dritte scheint zu betteln, die Kinder zeigen auf ihren Mund (wollen aber nur Geld) oder fangen Wüstenfüchse und halten sie den vorbeifahrenden Touristen hin, um ein kleines Trinkgeld zu bekommen.

Sahara-Light

Unser Ziel ist die Kasbah Berger, eine kleine, nachempfundene Kasbah, mit viel arabischen Kitsch und wenig Substanz, am Ende der Zivilisation gelegen. Hier bekommen wir den üblichen Willkommenstee, und werden zügig vom 4x4 Fahrer abgeholt, der uns zum Camp in den Dünen bringt. Nach einem kurzen aber wilden Ritt stehen wir im roten Sand der Sahara.

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Es ist heiß, trocken, und es weht ein sanfter Wind. Wir werden vom leicht verpeiltem Campleiter empfangen und erhalten gleich noch einen Tee.

"I will show you the room after you finish yes".

Nach einer halben Stunde chillen entdecken wir ihn schlafend in seinem Zelt. Wir finden unseres selbst, schauen uns alles an und gehen die ersten Dünen erkunden.

Sonnenuntergang mit Romeo und Valentino

Ausgestattet mit authentischen Berbertüchern werden wir zu den Kamelen begleitet. Über das Aufstehen der Kamele machen sich die Gäste die meisten Sorgen, dabei muss man sich nur gut festhalten und mit der Hüfte mitlenken. Wer versteift und nicht festhält, fliegt vorne rüber.

Wir haben Glück mit unserer Gruppe, erst werden wir auf 4er Gruppen aufgeteilt, dann nochmal auf 2er. Wir haben unsere eigene Düne zu zweit, die Kamele links von uns, die Kameltreiber rechts. Die Sonne geht majestätisch in der westlichen Landschaft unter.

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In der Nacht rappelt der Wind sturmartig den Sand gegen unser Zelt, der Gang zum Klohäuschen nebenan wird zum mini-Abenteuer.

Über Midelt nach Fes

Der Nächste Tag besteht aus mehr Kilometern auf den Landstraßen Richtung Norden. Zum Verschnaufen gönnen wir uns einen Stop in Midelt, das keiner Erwähnung Wert ist. Das Hotel ist wie vorher bereits erfahren außen Hui, beim zweiten Blick Pfui. Wirklich jedes Detail in dem Hotel ist schlampig zusammengeschustert.

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Ankh-Morpork, bekannt als Fes

Die Hauptstadt in Terry Pratchetts Discworld ist eine Parodie von diversen historischen Städten, Fes ist das Äquivalent in der Gegenwart. Lauter, stinkender, dreckiger, ärmer, enger und dunkler als Marrakesch zeigt sich die alte Medina.

Ich musste über die Absurdität einer solchen Stadt in der heutigen Zeit lachen. Es ist das verrückte Labyrinth für Erwachsene, nur dass am Ende nicht einfach jemand lachend den Weg aufmacht. In der Nacht werden manche der engen Gassen mit Toren verschlossen, was den rechten Weg zu finden mit den eh nur halb funktionierenden GPS Karten zusätzlich erschwert. In den dunklen Gassen finden sich noch Ball spielende Jungs, Haschrauchende Jugendliche oder streng blickende, einzelne Männer. Frauen und Mädchen sind schon alle von den Straßen verschwunden, die Touristen sowieso. Unsere beiden Riads sind natürlich mitten in der Medina, und ständig werden wir angesprochen “this way closed, that way out" oder "let me show you". Non Merci. Trotz Schwierigkeiten finden wir unseren Weg in die schönen Riads.

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Fes en Detail

Es heißt, es gäbe rund 9000 Straßen in der Medina. Alle Karten, die ich finden konnte (besonders die Online-Karten) haben höchstens 200-300 eingezeichnet.

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Kein Fes ohne Gerberei-Besuch. Der Gestank ist bestialisch, und je nach Wind in der ganzen Medina zu riechen.

"All natural, no chemicals here!"

loben die Einheimischen. In den grauen Becken werden mit Salzlauge und Taubenkot (für das Ammoniak) die Häute eingeweicht und gewaschen, in den braunen Becken wird gefärbt. Die Jungs arbeiten hier ohne großen Schutz, und laut einem Guide:

"It is honorable work, only the toughest can do it. There are no fixed hours or salary. You work, you get money."

Also: harte Drecksarbeit für unregulierte Bezahlung.

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Die Abhängigkeit zu funktionieren

Bei einem Road Trip mit Hürden dieser Art muss viel glatt gehen, um immer noch Spaß bei der Sache zu haben. Am letzten Tag in Fes tauchen bei mir Krankheitssymptome auf, Gliederschmerzen, Schwindel, Übelkeit, und so weiter. Der Tag vergeht noch halbwegs normal, die Nacht dagegen ist ein Horror. Heftiger Schüttelfrost, Fieber, konstant kalt und heiß, durchgeschwitzt von oben bis unten und dauerhaft trockener Mund. Mein laut hämmerndes Herz und mein Zittern verhindern jeden Schlaf. So kann ich morgen nicht meinen Teil der Strecke fahren, Stunde um Stunde schlage ich mir die Nacht um die Ohren. Zwei Liter Wasser und einige Stunden später beruhigt sich mein Puls und Schüttelfrost, und ich bekomme die Augen noch etwas zu.

Impovisationstheater

Am nächsten Tag bin ich ein Wrack. Stephie fährt den Großteil der Strecke von Fez nach El Jadida, ich vegetiere im Beifahrersitz vor mich hin. An Fotos ist nicht zu denken, zu viel Aufwand und ich bin viel zu müde.

Bei Stunde vier, kurz vor Mohammedia kommt dann der wahre Test über uns. Unser Wagen piepst laut los, es blinkt rot und es erscheint eine Warnung:

"STOP. MOTOR DAMAGE IMMINENT".

Wir halten auf dem Seitenstreifen der Autobahn und kommen erst mal klar.

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Lost in Translation

Also, erstmal Assistance anrufen und Schaden melden, Avis wird schon sagen, wie sie uns helfen. Die erste Frau hinter der Nummer spricht nur französisch, und schickt mich in eine Warteschleife. Die nächste spricht halbes Englisch, halbes französisch, halbes arabisch. Ich schaffe es ihr zu vermitteln, wo wir ungefähr sind und Frage sie, wie es weiter geht. Sie nimmt die Daten auf, sagt uns dass der Tow Truck gleich kommt und bittet uns anzurufen, wenn der da ist. Eine halbe Stunde vergeht, dann rufe ich die Nummer erneut an.

Es ertönt eine Bandansage auf französisch, dann endet mein Anruf. Hm, komisch, nochmal. Wieder dasselbe. Nochmal. Nochmal. Ich verstehe nicht was los ist, kann nicht telefonieren, habe Schmerzen überall und schwitze Rotz und Wasser in der Mittagshitze auf der marrokanischen Autobahn. In Marokko funktionieren nur marrokanische SIM-Karten, bei der Einreise habe ich mir eine mit 10 GB Datenvolumen gekauft. Diese haben aber nur um die 5 Minuten Telefonie, dann muss man die aufladen. Das weiß ich natürlich nicht, und stehe jetzt hier.

Endlich ruft die Assistance zurück, und ich Versuche ihr zu erklären, dass ich nicht mehr telefonieren kann und sie mich unbedingt zurückrufen muss. Sie gibt mir eine Nummer für einen WhatsApp Kontakt, um unsere genaue Position zu übermitteln. Nach dem Ende des Gesprächs teste ich direkt den Kontakt, welcher natürlich kein WhatsApp hat. Falsche Nummer. Kein Rückruf kommt. Und jetzt?

In der flimmernden Ferne taucht ein gelber Engel auf, hält bei uns und fragt natürlich nur auf französisch was denn los ist. Wir erklären mit Händen und Füßen, der Mechaniker prüft den Wagen und bietet mir sein Handy an. Wieder der Tanz mit der Assistance. Ich versuche irgendwie zu vermitteln, dass wir auf jeden Fall einen neuen Mietwagen brauchen, weil wir noch zwei Ziele ansteuern müssen. Die erzählen uns nur immer wieder von einem Taxi, das uns nach Casablanca fahren soll.

Inzwischen sprechen der Tow Truck Fahrer, der erste Mechaniker, der zweite Mechaniker (keine Ahnung woher der auf einmal kommt), ein unbekannter Typ am Telefon vom Mechaniker und die Assistance am anderen Telefon miteinander, wir mitten drin, und verstehen kein Wort.

Gestrandet in Casablanca

In der Hitze und Unwissenheit nimmt uns einer der Mechaniker mit nach Casablanca. "We go to Avis." sagt er nur, und wir sind dankbar, dass wir nicht in der Hitze stehen müssen. Wir fahren auf den Hof, wo zwei Avis Mechaniker den Wagen vom Tow Truck vor uns abladen. Beide sprechen kein Englisch. Das Büro ist nicht möbliert und geschlossen, und uns dämmert es: Das hier ist nur die Werkstatt, nicht die Zweigstelle.

Ich frage reihum was wir jetzt machen sollen, alle zucken nur mit den Schultern. Der Mechaniker bittet uns unser Gepäck aus dem Wagen zu nehmen, und die Avis Leute schicken uns vom Hof. So stehen wir mitten in Casablanca, ohne Plan, und noch mindestens 1,5 Stunden von unserem Ziel entfernt.

Auf Google Maps finden wir in 20 Gehminuten Entfernung eine Avis Zweigstelle, direkt neben Hertz und Sixt. Gottseidank, da scheinen die alle zu sein. Mit Sack und Pack trotten wir durch das heiße, hässliche Casablanca.

Am Ziel gehen wir ins Büro und fragen nach Avis. "No, this is not Avis, we just change Tyres for them." Blankes starren. Einer von den anwesenden Herren spricht fließend englisch, wir erzählen von unseren Mißgeschicken. Er nimmt sich unserer an, telefoniert für uns mit der Avis assistance und erklärt uns, was überhaupt los ist: Ein Taxi sollte auf die Autobahn kommen, und uns zum Flughafen zur Avis Zweigstelle bringen, was in dem Sprachen- und Helferchaos leider untergegangen ist. Er bietet sich an uns zum Bahnhof zu fahren, von wo aus wir weiter zum Flughafen kommen. Der ist dermaßen weit außerhalb, dass ein Taxi dahin rund 30€ kostet. Ein Hoch auf den guten Samariter!

"Welcome to Morocco!"

Scherzt er.

Wir fahren mit der Bahn zum Flughafen und stehen erstmal 30 Minuten in der Sicherheitskontrolle, um überhaupt in den Flughafen zu gelangen. Natürlich ist das Avis Büro am anderen Ende, wo der Mitarbeiter bereits auf uns wartet.

"Your story made the rounds already, you are famous!"

Der nächste gute Samariter auf unserer Reise, der perfekt englisch spricht. Es ist alles bereits geregelt, ein neuer Wagen wartet schon auf uns, ohne Extrakosten.

El Jadida

Nach so einem Tag wollen wir nur noch essen und schlafen. Gegen acht kommen wir im Riad an, wo das Personal (mittlerweile wundern wir uns nicht mehr) nicht ein Wort englisch versteht oder spricht. Einige Minuten nach uns kommen zwei junge Reisende ebenfalls an, ein Franzose und ein Niederländer, mit perfektem Englisch. Sie übersetzen für uns und rügen sogar den Empfangschef, für sein fehlendes Englisch. Duschen, essen, schlafen.

Am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder besser aus, und wir machen noch einen Mini-Ausflug zur portugiesischen Zisterne im Hafen.

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Am Ende

Zurück in Marrakesch geben wir schnell das Auto ab, fahren ins Riad und relaxen erst mal. Gottseidank ist es Marrakesch, denken wir uns, da uns die Stadt nach dem Rest von Marokko als sauber, simpel und aufgeräumt vorkommt. Heute nichts stressiges mehr, noch 1-2 Souvenirs Shoppen und morgen nach Hause fliegen.

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So endet unsere abenteuerliche Tour. Wir kommen Zuhause an, zu frischer Luft und Wasser, das man direkt aus der Leitung trinken kann. Beim Blick in den Garten fragen wir uns leise, warum wir überhaupt weg fahren.

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